[ad_1]

400.000 neue Wohnungen pro Jahr sind das Ziel von Bauministerin Klara Geywitz. Das wirkt auf Experten der Immobilienbranche mittlerweile utopisch. Die Bauindustrie will der Politik mit konkreten Tipps auf die Sprünge helfen – ein Stichwort: stärkere Standardisierung.

“Bauen und Sanieren müssten deutlich effizienter und digitaler werden, um die im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung vereinbarten Ziele beim Bau zu erreichen”, fordert der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) in einem am 15. Juli veröffentlichten Positionspapier. Die Politik müsse unter anderem serielles Bauen erleichtern, die “bisher vorherrschende Kleinteiligkeit beim Bauen überwunden werden”.

Der BDI verwies dabei auf das von der Bundesregierung formulierte Vorhaben, in der laufenden Legislaturperiode jährlich 400.000 Wohnungen bauen zu wollen, davon 100.000 öffentlich geförderte Wohnungen. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 wurden rund 306.000 Wohnungen und 2021 sogar nur 293.000 Wohnungen fertiggestellt.

Auch die energetische Sanierung des Wohnungsbestands fordert die Bau- und die Immobilienbranche heraus. Zentral seien serielle, modulare und typisierte Methoden, die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren und die Digitalisierung von Verwaltungs- sowie Projektmanagementprozessen heißt es in dem Papier, in dem der BDI im Kern eine stärkere Industrialisierung und Standardisierung fordert.

ZIA: Mehr digitale Plan- und Genehmigungsverfahren

Der Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), Dr. Andreas Mattner, hat die politischen Entscheider aufgefordert, mit zügigen Veränderungen auf das BDI-Positionspapier zu reagieren.

“Wir brauchen einen Quantensprung an Innovationen am Bau”, erklärte Mattner, der dem BDI-Präsidium angehört. “Nur indem wir moderner bauen, können wir unsere künftigen Lebens- und Arbeitswelten nachhaltig und resilient gestalten.” Nötig seien mehr digitale Plan- und Genehmigungsverfahren, weniger Vorschriften sowie straffere Prozessketten. Ohne “dynamischere, schnellere und flexiblere Ansätze” seien die baupolitischen Ziele der Bundesregierung und der Länder nicht erreichbar.

Das BDI-Papier sieht Mattner als Kompass für die Politik und die Immobilienbranche. Entscheidende Hebel für eine grundlegende Veränderung sind aus Sicht von Mattner im Überblick folgende:

  • Die Stärkung des seriellen und typisierten Bauens / länderübergreifende Typenbaugenehmigungen
  • Schnellere Baugenehmigungen durch standardisierte, digitale Verfahren, mehr Flexibilität beim Nutzungsmix, Neugestaltung von Beteiligungsverfahren an Planungsprozessen
  • Die Ausweitung von Building Information Modeling (BIM) als ganzheitlichen  Prozess zum Erstellen und Ordnen von Informationen zu Bauobjekten
  • Eine Rohstoffsicherungsstrategie für eine regionale Rohstoffgewinnung
  • Das stärkeres Verzahnen von Planen und Bauen, eine erweiterte Kooperation zwischen Auftraggebern, Planern und Bauunternehmen
  • Klimafreundliches Bauen zum Beispiel durch graue Energie, graue Emissionen, Ressourceneffizienz und Recyclingfähigkeit
  • Baulandmobilisierung / Förderprogramm für Brachflächenentwicklung
  • Ein Push für Mieterstrom

Diese Bauoffensive verspreche einen schnellen Ausweg aus starren Regeln und Strukturen, so der ZIA-Präsident abschließend: “Der Vorstoß darf nicht ohne Echo verhallen.”

Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW, ist wenig optimistisch. Er schätzt das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen jährlich als unrealistisch ein. In den nächsten drei bis vier Jahren sei das “illusorisch”, sagte Gedaschko der “Bild”-Zeitung. Etwa 2022 würden nur 250.000 Wohnungen fertig werden.



BDI-Positionspapier “Bauoffensive 2022 bis 2025” (PDF)

Hohe Kosten sorgen für mehr stornierte Bauprojekte

In der deutschen Baubranche werden momentan ungewöhnlich viele Projekte storniert. Auf dem Hochbau betrug der Anteil der betroffenen Unternehmen laut einer Umfrage des Ifo-Instituts im Juni 11,5 Prozent, im Mai waren es sogar 13,4 Prozent. Die Größenordnung ist den Forschern zufolge vergleichbar mit dem Corona-Schock im Frühjahr 2020. Im Wohnungsbau seien die die Stornierungen besonders häufig.

Die Auftragsbücher sind laut Ifo-Institut im Mittel weiterhin prall gefüllt. Vielerorts fehle es noch an Material – im Juni meldeten 47,1 Prozent der Hochbauunternehmen Lieferengpässe (Mai: 56,6 Prozent) –, diese Engpässe bilden sich nur langsam zurück. Das größere Problem seien im Gegensatz zur Umfrage im Mai, als der Materialengpass Hauptgrund für die Stornierungen war, die rasanten Preisanstiege infolge der Knappheit. Auch die hohen Energiepreise wirken den Forschern zufolge preistreibend bei vielen Baustoffen. Im Mittel erwarten die Betriebe, dass die Engpässe noch knapp neun Monate andauern.

Die Unternehmen müssen die höheren Preise für Material und Kraftstoff an die Kunden weitergeben, so steigen die Baupreise weiter. Dazu kommen die höheren Zinsen – und im Wohnungsbau zusätzlich die Unsicherheit hinsichtlich der künftigen Fördermöglichkeiten. “Dies führt dazu, dass einige Projekte überdacht werden müssen”, sagt Ifo-Forscher Felix Leiss.

Das könnte Sie auch interessieren:

Wohnungsneubau: Ziel für das Jahr 2021 klar verfehlt

Verbände: In zehn Schritten zu 400.000 Wohnungen

Kann die Wohnungswirtschaft bald nicht mehr bauen?

dpa

[ad_2]

Link zur Fundstelle

Warenkorb
Nach oben scrollen