666 Millionen Euro Wagniskapital haben PropTechs 2021 eingesammelt – mehr als doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Das meiste Geld hat die Immobilienbranche in Startups mit dem Fokus “Betreiben & Verwalten” gesteckt, wie ein Blackprint-Report zeigt. Das liegt auch am ESG-Druck.

Lange waren sie verschmäht, jetzt laufen die Geschäfte umso besser: 666 Millionen Euro hat der PropTech-Sektor vergangenes Jahr an Venture Capital (Wagniskapital) bei der Immobilienbranche eingesammelt. Damit hat sich das Investitionsvolumen innerhalb eines Jahres insgesamt mehr als verdoppelt. 2020 waren es 270 Millionen Euro. Das sind Ergebnisse eines Reports von Blackprint.

Zahl der PropTechs: Berlin vorn, Bayern holt auf

Demnach sind in Deutschland derzeit 654 PropTechs aktiv – Stand 2021 (2020: 538). 196 in Berlin, das sind im Vergleich zum Vorjahr 15 mehr. Bayern hat sich von 115 auf 126 gesteigert und Nordrhein-Westfalen von 77 auf 90. An vierter Stelle liegt Baden-Württemberg mit 60 PropTechs (2020: 47) vor Hessen mit 53 (2020: 48).

Auf dem sechsten Platz des Rankings der PropTech-Magneten rangiert Hamburg mit 47 der Jungfirmen, nach 41 im Vorjahr. Kleinteiliger sieht es im Rest der Republik aus. Leer geht allerdings kein Bundesland aus. Schlusslichter sind Sachsen-Anhalt und das Saarland mit jeweils einem Startup – und das schon im dritten Jahr. Gegründet wurden in Deutschland in diesem Jahr 78 PropTechs. 2020 waren es 79. Damit ist die Zahl der Neugründungen nach Berechnungen von Blackprint leicht um 1,3 Prozent zurückgegangen.

“Es ist aktuell so viel Wagniskapital im Umlauf, dass es vielen PropTechs gelingt, sich nachhaltig im Markt zu platzieren und die ersten Jahre zu finanzieren”, sagt Sarah Schlesinger, Managing Partner der Blackprintpartners GmbH.

ESG-Regulatorik: Neue Dynamik für den PropTech-Markt

Auf die rasant gestiegenen Anforderungen an Transparenz, Messbarkeit und Daten durch die ESG (Environmental Social Governance)-Regulatorik führt es Blackprint zurück, dass 2021 mit mehr als 156 Millionen Euro der Großteil des Venture Capitals (VC) in PropTechs mit dem Fokus “Betreiben & Verwalten” geflossen ist. In den Bereich mit dem höchsten Grad an manuellen Einzelschritten “Planen, Bauen & Refurbishment” sind ebenfalls rund 130 Millionen Euro Wagniskapital geflossen – um Lösungen rund um Circular Economy und Dekarbonisierung voranzutreiben.

An dritter Stelle steht der Bereich “Smart Building”, in den im vergangenen Jahr knapp 127 Millionen Euro investiert wurden. Gefolgt von “Konzept & Services” (rund 76 Millionen Euro) und “Investment & Transaktionen” mit knapp 72 Millionen Euro. Den Rest teilen sich die Bereiche “Sonstige” (zirka 58 Millionen Euro) und “Vermitteln & Vermarkten” (rund 45 Millionen Euro).

Der Trend für 2022 ist für Expertin Schlesinger absolut klar: Das Finanzierungsvolumen und die Anzahl der Finanzierungsrunden werden weiter stark zunehmen, und die veränderten politischen Anforderungen sowie die Regulatorik verleihen dem Markt eine neue Dynamik. Vor allem ESG wird dem Report zufolge weitere Digitalisierung und Transformation auch bei gestandenen Unternehmen auslösen.

Welche PropTechs werden sich am Markt etablieren?

Am Markt etablieren werden sich laut Blackprint in Zukunft vor allem die Jungunternehmen, die das “Pitch-Ballett” und das “VC-Einmaleins” am besten beherrschen und so das meiste Geld auf sich vereinen können. “Gemäß PropTech-Hype Cycle sind überhitzter Hype und Tal der Tränen vorüber”, so Schlesinger.

Das negative Wachstum bei den Neugründungen und der weniger sprunghafte Anstieg der PropTech-Anzahl insgesamt deutet darauf hin, dass eine Konsolidierung des PropTech-Sektors bevorsteht. Laut Blackprint werden einzelne Startups das Rennen um Marktmacht für sich entscheiden, weil sie Wettbewerber vom Markt verdrängen oder übernehmen. Entscheidend wird dann sein, dass ihre Lösungen den regulatorischen ESG-Anforderungen gerecht werden. “Wenn Startups in einem Markt so viel Wagniskapital bekommen, dass sie von ‘Neulingen’ zu relevanten Playern werden, dann sind sie nicht mehr nur Kooperationspartner für die Etablierten”, so der Ausblick.

Der Report basiert auf Datenerhebungen durch primäre und sekundäre Quellen. Grundlage bietet die PropTech-Datenbank von Blackprintpartners. Auch Startups, die ihre Geschäftsaktivitäten nachträglich auf die Immobilienbranche ausweiten, werden von Blackprint erfasst. Die vorliegenden Daten sind aktuell zum 31.12.2021.

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