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Beim Thema Environment Social Governance (ESG) gibt es noch große Lücken – es fehlen erforderliche Daten und Standards, aber auch geeignete Mitarbeiter. Einer Umfrage des Berufsverbands RICS zufolge rechnet die Immobilienbranche mit künftig schärferen regulatorischen Vorgaben.

“Wie geht ESG im Asset Management?” lautet der Titel einer Erhebung, die der Berufsverband RICS Deutschland von Januar bis April 2022 durchgeführt hat. An der strukturierten Befragung nahmen 50 Mitglieder der Professional Group Asset Management von RICS aus den Bereichen Investment, Asset- und Property Management sowie Dienstleistung, Projektentwicklung und Beratung teil. Wenig überraschend ist die Tatsache, dass 94 Prozent der Studienteilnehmer dem abstrakten ESG-Konzept grundsätzlich eine hohe oder sehr hohe Relevanz beimessen. In der Praxis sehen sie jedoch große Defizite: 52 Prozent beklagen die mangelnde Verfügbarkeit von Verbrauchsdaten der Mieter, zwölf Prozent vermissen einheitliche Standards für Gebäudedaten. Des Weiteren stellen fehlende Vergleichsdaten und deren Definition die Branche vor großen Herausforderungen.

Umsetzung der ESG-Kriterien fällt schwer

Bei der Umsetzung definierter ESG-Strategien schätzen immerhin 46 Prozent der Befragten den Implementierungsstand als “fortgeschritten” ein. 40 Prozent gaben an, mit der Umsetzung begonnen zu haben. Für eine erfolgreiche Realisierung der eigenen ESG-Strategie vermissen die Studienteilnehmer jedoch mehr geeignete und erfahrene Partner sowie passende Lösungen und ausreichend Ressourcen. In den besagten Bereichen wird die Situation daher mehrheitlich als “sehr schwierig” oder “schwierig” eingeschätzt.

Für die Überprüfung ihrer ESG-Strategie setzt ein gutes Drittel (35 Prozent) der Teilnehmer auf umfassende Benchmark-Systeme. Etwa jeder vierte Teilnehmer (26 Prozent) vertraut laut Erhebung auf MS-Excel-basierte Lösungen, “händische Prozesse” oder selbsterstellte Lösungen. 18 Prozent befinden sich demnach noch in der Findungsphase.

Große Unsicherheit für die Zukunft

Für die Zukunft besteht eine große Unsicherheit bei sich verändernden Vorgaben in den Bereichen Gebäudeeffizienz und Nachhaltigkeit, aber auch hinsichtlich der weiteren Konkretisierung der EU-Taxonomie, der Reporting Vorgaben, der Social-Taxonomie und im Bereich Governance. “Die Studienteilnehmer rechnen mit einer weiteren Veränderung und Verschärfung regulatorischer Vorgaben”, sagt Anne Bailly MRICS (Bailly Real Estate), Mitglied der PGAM und Mitautorin der Studie. Dies gilt insbesondere für den Bereich Social Taxonomie. So wird von den Branchenvertretern die Forderung formuliert, dass – sollte im geplanten Lieferkettengesetz die Immobilie Bestandteil der Bewertung werden – zuvor verlässliche Standards für die Messung und Vergleichbarkeit geschaffen werden müssten.

Social Taxonomie gewinnt an Bedeutung

Insgesamt gewinnt der Themenkomplex Social Taxonomie an Bedeutung. Der Aspekt “S” beim ESG steht mehr im Fokus der Befragten. Zwei Drittel der Teilnehmer schätzen seine Bedeutung als hoch oder sehr hoch ein. Auf die Frage, welche strategischen Prioritäten in diesem Bereich gesetzt werden, werden vermehrt die Zufriedenheit von Mietern und Mitarbeitern sowie die Kommunikation und das Engagement mit Stakeholdern genannt. Insgesamt dominiert jedoch noch das “E”: Auf Themen wie CO2-Reduzierung, Energieeffizienz und Abfallvermeidung liegen die strategischen Prioritäten der Befragten.

Kritik an Benachteiligung von Bestandsgebäuden

Kritik kommt von Bestandshaltern: Sie bemängeln die erkennbare Benachteiligung älterer Gebäude in der ESG-Bewertung, da der ökologische und ökonomische Aufwand für Abriss, Entsorgung und Neubau nicht ausreichend berücksichtigt werde. In der Praxis könne im Rahmen einer energetischen Sanierung von Bestandsobjekten mit angemessenen Mitteln meist kein Neubaustandard erreicht werden. Dennoch sei die Sanierung in der Gesamtbetrachtung (Stichwort: Graue Energie) nicht selten die bessere Alternative. Dies sollte in den EU-Vorgaben Berücksichtigung finden, meinen die Befragten.

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