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Im zweiten Anlauf hat die Übernahme geklappt: Ein Bieterkonsortium um die Finanzinvestoren Advent und Centerbridge darf den Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal Bank übernehmen. Das neue Angebot an die Aktionäre hat die Mindestannahmeschwelle überschritten. 

Die Atlantic Bidco GmbH (Bidco) – eine indirekt von den Finanzinvestoren Advent International Corporation, Centerbridge Partners sowie Canada Pension Plan Investment Board (CPPIB) und weiteren Co-Investoren gehaltene Bietergesellschaft kann den Immobilienfinanzierer Aareal Bank wie geplant übernehmen. Die Mindestannahmeschwelle von 60 Prozent, die mit einem erfolgreichen Gebot verknüpft war, sei überschritten worden, teilten die Investmentgesellschaften mit. Das genaue Ergebnis wird voraussichtlich am 30. Mai bekannt gegeben. Der Deal soll vorbehaltlich der regulatorischen Verfahren Ende 2022 oder Anfang 2023 vollzogen werden.

Die ursprüngliche Annahmefrist war in der Nacht zum 25.5.2022 um Mitternacht ausgelaufen, die Bieter kündigten nun eine zweiwöchige Verlängerung an: Die startet am 31.Mai und endet am 13. Juni um Mitternacht. Advent und Centerbridge bieten 33 Euro pro Aareal-Aktie – darin ist eine Dividende von 1,60 Euro enthalten. Vorstand und Aufsichtsrat der Wiesbadener Bank hatten den Aktionären die Annahme des Gebots empfohlen.

Höhere Offerte überzeugte Großaktionäre der Aareal Bank

Der Vorstand der Aareal Bank hatte am 6. April mit einer entsprechenden Mitteilung den schnellen Weg frei gemacht für den zweiten Übernahmeversuch durch Bidco. Nach dem am Widerstand von Großaktionären gescheiterten ersten Übernahmeversuch am 2. Februar wären die Finanzinvestoren eigentlich gesetzlich verpflichtet gewesen, mit einem neuen Anlauf mindestens ein Jahr zu warten.

Vom neuen Angebot in Höhe von 33 Euro statt 31 Euro pro Aktie, darin enthalten die von der Aareal Bank angekündigte Dividende von 1,60 Euro je Aktie, sicherten sich die Bieter die Unterstützung der widerspenstigen Großaktionäre. Unter anderem Petrus Advisers, Talomon, Teleios und Vesa sollen umgehend unwiderrufliche Zusagen abgegeben haben – sie halten zirka 37 Prozent der Anteile. Die neue Offerte bewertete die Aareal Bank mit knapp zwei Milliarden Euro.

Nach dem erfolgreichen Angebot sollen diese Aktionäre eine indirekte stimmrechtslose Beteiligung von bis zu 25 Prozent an Bidco halten. Ein direkter Einfluss dieser Investoren auf die Aareal Bank Gruppe wäre damit ausgeschlossen. Der Investorengruppe wird voraussichtlich auch der Pensionsfonds CPPIB angehören.

Mit den Bietern hat die Aareal Bank für die kommenden fünf Jahre eine Steigerung des Immobilienkreditportfolios von derzeit 31 Milliarden Euro auf bis zu 40 Milliarden Euro vereinbart. Die Software-Tochter Aaeron soll zusätzlich Geld für Unternehmensübernahmen erhalten.

Advent: Anteilseigner bei Aareal-IT-Tochter Aareon

Aus Sicht des Hedgefonds Petrus war schon allein der Wert der Aareal-IT-Sparte Aareon in der ersten gescheiterten Offerte nicht ausreichend berücksichtigt worden. Auch auf diesen Geschäftsbereich haben Petrus und Teleios ein Auge geworfen. Die Aareal Bank versuchte dieser Forderung zuletzt mit neuen Informationen die Grundlage zu entziehen: Sollte sie die IT-Tochter verkaufen wollen, hätte Advent ein Vorkaufsrecht, stellte das Institut klar.

Im Sommer 2020 hatte die Aareal Bank Advent mit 30 Prozent als Anteilseigner bei Aareon an Bord geholt. Gemessen an dem Preis, der damals bezahlt wurde, war Aareon zu dieser Zeit an der Börse ähnlich hoch bewertet wie der gesamte Konzern. Petrus hatte zuvor wiederholt den Verkauf oder eine Abspaltung von Aareon gefordert – das käme quasi einer Zerschlagung des Konzerns gleich.

Die Aareal-Bank-Führung hat sich deutliche Gewinnsteigerungen vorgenommen. Im Februar stellte der Vorstand für 2022 ein Betriebsergebnis zwischen 210 und 250 Millionen Euro in Aussicht. Weil die Bank infolge des Krieges in der Ukraine und der Sanktionen gegen Russland aber um Kredite für zwei Bürogebäude in Moskau fürchten muss, dürfte es nach jüngster Einschätzung des Managements nur für das untere Ende der Spanne reichen. Für das Jahr 2024 peilt der Vorstand einen Betriebsgewinn bis zu 350 Millionen an. Dazu soll auch die IT-Tochter Aareon einen bedeutenden Teil beisteuern, insbesondere durch weitere Zukäufe.

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dpa



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