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Der Gebäudebestand belastet die deutsche Klimabilanz. Am häufigsten wird mit Gas eingesetzt, nur 25 Prozent der untersuchten Immobilien sind mit erneuerbaren Energien ausgestattet, wie eine Umfrage zeigt – die Förderung für Sanierungen käme bei vielen Eigentümern nicht an.

Das Gebäudeenergiesetz wird gerade novelliert. Klar ist, die energetischen Anforderungen an Gebäude werden steigen, wenn es in Kraft tritt. Auch die Förderricht­linien werden derzeit über­arbeitet – spätestens ab 2023 müssen Eigentümer höhere Anforderungen erfüllt werden, um an das staatliche Geld zu kommen. So plant das Bundesbauministerium etwa, die Nutzungsdauer von bestehenden Gasheizungen schrittweise von 30 auf 20 Jahre zu reduzieren; alte Immobilien tragen maßgeblich zur schlechten Energiebilanz des Sektors bei.

Während bei Neubauten feste Regularien für energieeffiziente Häuser sorgen, besteht im Bestand noch großer Handlungsbedarf, wie eine Auswertung des Onlineportals McMakler von mehr als 10.000 Energieausweisen zeigt. So weisen mehr als zwei Drittel (71 Prozent) der untersuchten Immobilien, die 2010 und später gebaut wurden, die positiven Kennwerte A+, A und B auf – das sind nur sieben Prozent der Wohnhäuser.

Gas: Beim Heizen die am häufigsten genutzte Energiequelle

Veraltete Heizkörper, schlecht gedämmte Dächer und Wände oder undichte Fenster sind nur einige der Gründe, warum der Gebäudesektor in Deutschland bei der Klimabilanz schlecht abschneidet – auch die genutzten Energiequellen sind “schuld”: Die meisten Immobilien im Bestand (zehn Jahre und älter) heizen mit Gas (62 Prozent) oder Öl (22 Prozent) und weisen im Durchschnitt den Energiekennwert E oder F auf.

Ein Energieeffizienzklasse-F-Haus weist einen jährlichen Energieverbrauch pro Quadratmeter von 160 bis 199 Kilowattstunden (kWh/m2 a) auf. Den höchsten Verbrauch hat der Energiekennwert H (mehr als 250 kWh/m2 a), den niedrigsten die Energieklasse A+ (bis 25 kwh/m2 a). Immobilien, die Strom als Energiequelle zum Heizen verwenden, liegen der Auswertung zufolge im Schnitt in der Energieeffizienzklasse D (100 bis 130 kWh/m²a) – verwendet wird Strom am dritthäufigsten (neun Prozent), gefolgt von Nah- und Fernwärme (drei Prozent). Nur ein Viertel (25 Prozent) der untersuchten Immobilien sind mit erneuerbaren Energien ausgestattet.

Gas als Energiequelle ist durch den russischen Krieg in der Ukraine und den darauf folgenden wirtschaftlichen Sanktionen nicht mehr nur in Sachen Klimaschutz im Fokus der Aufmerksamkeit. Auch das Statistische Bundesamt gibt vor diesem Hintergrund regelmäßig einen Überblick über Daten zu Gasversorgung und Gasverbrauch in Deutschland. Nach den jüngsten veröffentlichten Zahlen, deckten laut der Behörde private Haushalte im Jahr 2019 mit 41,2 Prozent den größten Teil des Bedarfs an Wohnenergie durch Erdgas.

Staatliche Förderung zur Sanierung: Wo es hängt

Laut einer von McMakler beim Marktforschungsinstitut YouGov in Auftrag gegebenen Umfrage ist vielen Eigentümern die Tragweite der Energieeffizienz nicht bewusst. Knapp 60 Prozent der Befragten sagten, das Thema sei “wichtig” oder “sehr wichtig” ist, mehr als die Hälfte (58 Prozent) gab an die Energieeffizienz ihrer Immobilie nicht zu kennen. Nur etwa jeder Fünfte (22 Prozent) hat schon einmal eine staatliche Förderung zur Sanierung in Anspruch genommen – 41 Prozent hingegen nicht und planen es auch in Zukunft nicht.

Als Grund dafür gab rund ein Viertel dieser Gruppe an, den staatlichen Förderungsprozess “sehr intransparent” (14 Prozent) zu finden oder die Möglichkeit einer staatlichen Förderung gar nicht zu kennen (13 Prozent). Ökologische Beweggründe und Nachhaltigkeit spielen derzeit laut Umfrage überhaupt nur für 29 Prozent der Befragten eine Rolle bei Sanierungen.

Die Förderprogramme der Bundesregierung zur energetischen Sanierung von Gebäuden sollten sich stärker an Eigentümer von Bestandsimmobilien richten: “Es braucht mehr Transparenz sowie eine öffentliche Bewerbung von vorhandenen Förderprogrammen und deren Vorteilen”, forderte Felix Jahn, CEO und Gründer von McMakler. Da die Ressourcen endlich seien, müsste das Geld für Maßnahmen verwendet werden, die klimatechnisch den größtmöglichen Effekt haben. Individuelle Sanierungsfahrpläne (iSFP) von Experten setzten genau an diesem Punkt an und können helfen, Sanierungen effizient zu planen. 

Sanierungsfahrpläne (iSFP)

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BAFA), die staatliche Förderbank KfW und die Deutsche Energie-Agentur GmbH (Dena) haben ein Portal initiiert, auf dem nach Experten gesucht werden kann.



Energie-Effizienz-Experten für Förderprogramme des Bundes

Weitere Informationen:



www.kfw.de
,

www.bafa.de
,

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dpa



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