Der Krieg in der Ukraine treibt die Energiepreise und damit die Inflationsraten. Die Europäische Zentralbank (EZB) reagierte mit einer strafferen Geldpolitik. Das hat auch Auswirkungen auf das Baugeld: Die Zinsen für Immobilienkredite steigen vergleichsweise schnell, berichten Experten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert auf das Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik zu. Der Leitzins bleibt vorerst bei null Prozent, doch die milliardenschweren Anleihekäufe sollen schneller gedrosselt werden als bisher geplant. Der EZB-Rat reagierte mit den Beschlüssen auf die anhaltend hohe Inflation, die durch den Krieg in der Ukraine zusätzlich angeheizt wird. Wann die Zinsen im Euroraum nach jahrelangem Rekordtief wieder steigen werden, ließ die Notenbank bei ihrer Sitzung am 10. März in Frankfurt am Main aber offen.

“Wir erwarten nach der Entscheidung steigende Zinsen für 2022, vor allem aufgrund der anhaltenden Inflation”, sagt Mirjam Mohr, Vorständin beim Kreditvermittler Interhyp.

Bauzinsen schneller gestiegen als erwartet

Die Bauzinsen sind Mohr zufolge seit Jahresbeginn stärker und schneller gestiegen als von vielen Experten erwartet. Innerhalb von zwei Monaten erhöhten sich die Zinsen laut einer Auswertung der Interhyp AG unter den Angeboten von mehr als 500 Kreditinstituten von einem Prozent auf mehr als 1,6 Prozent Anfang März für zehnjährige Immobilienkredite – also um mehr als sechs Zehntelprozentpunkte.

“Wenn wir auf die vergangenen zehn Jahre zurückschauen, sind die Bauzinsen zu keinem Zeitpunkt so schnell und so stark gestiegen wie in den ersten Wochen 2022”, so Mohr höhere Konditionen im Jahresverlauf seien wahrscheinlich. Treibender Faktor für den Konditionsauftrieb ist die Inflation, die nach Schätzung des Statistischen Bundesamts im Februar in Deutschland bei 5,1 Prozent lag.

Der Krieg in der Ukraine wird vor allem Gas-, Öl und Rohstoffpreise weiter in die Höhe treiben – und damit auch die Inflationsraten. Die EZB hat ihre Inflationsprognose 2022 für den Euroraum erheblich nach oben korrigiert: Von 3,2 Prozent auf 5,1 Prozent. 2023 soll die Teuerungsrate bei 2,1 liegen, bisher ging die Notenbank von 1,8 Prozent aus. Im Februar erreichte die Inflation in der Währungsunion mit 5,8 Prozent einen neuen Rekordwert.

EZB-Entscheidung: Auswirkungen auf die Bauzinsen

Neben den Leitzinsen sind die Renditen für Staatsanleihen ein wichtiger Indikator für das Baugeld. Die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen lagen im Februar durchgängig im Plus und zogen die Bauzinsen mit, fielen aber nach der russischen Eskalation in der Ukraine und tendieren mittlerweile wieder im Minus.

Alles zusammen könnte laut Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender beim Kreditvermittler Dr. Klein Privatkunden AG, zu höheren Zinsen für Baufinanzierungen führen – “allerdings nur geringfügig, denn ein erster Zinsschritt Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres wurde bereits erwartet”, so Neumann. Für die aktuelle Zinsentwicklung sei aber nicht so sehr der Zeitpunkt der ersten Zinsanhebung relevant, sondern vielmehr die Perspektive, wie viele Zinsschritte zu erwarten sind und wie hoch diese ausfallen.

Angesichts der großen Unsicherheiten bezüglich der Folgen des Krieges in der Ukraine behalten sich die europäischen Währungshüter eine maximale Flexibilität vor. Neumann befürchtet, dass sich die EZB zu viel Zeit für die Zinswende nehmen wird. Dazu kommt der Krieg, der den Handlungsspielraum der Notenbank massiv eingeschränkt, die Zinswende einzuleiten.

Experte: Immobilienkredite jetzt umschulden

Verbraucher, die eine Immobilienfinanzierung planen, sollten in den nächsten Wochen mit schwankenden Kursen rechnen, meint Neumann. Die Märkte seien aufgrund der geopolitischen Lage hochnervös. “Bei den Bauzinsen kann es daher kurzfristig zu höheren Ausschlägen in beide Richtungen kommen – wir werden wieder deutlichere Zickzack-Bewegungen sehen als in den vergangenen Jahren”, so Neumann.

Die hohe Nachfrage nach Bundesanleihen wirkt sich Neumann zufolge bremsend auf den Anstieg der Baufinanzierungszinsen aus. Langfristig geht der Experte jedoch von einem Potenzial für steigende Zinsen aus: “Weil Immobilienpreise und Zinsen perspektivisch steigen, wird Wohneigentum in Zukunft eher teurer.”

Bei laufenden Finanzierungen sieht Neumann jetzt den Zeitpunkt, umzuschulden, um sich die aktuell günstigeren Konditionen langfristig zu sichern.

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dpa



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