Vermieter sollen bei den Mehrkosten beim Heizen durch den CO2-Preis stärker in die Pflicht genommen werden als bislang geplant. Je schlechter die Energiebilanz einer Wohnung, desto höher der Anteil. Wer CO2 vermeidet, profitiert. Eine Studie rechnet vor, wie gespart werden kann.

Anfang April hat sich die Bundesregierung darauf geeinigt, dass sich Vermieter bei den Heizkosten und der Warmwasseraufbereitung ab 2023 anteilig am CO2-Preis beteiligt sollen – und zwar abhängig von der Klimafreundlichkeit des vermieteten Gebäudes. Vorgesehen ist ein sogenanntes Zehn-Stufenmodell. Je schlechter die Energiebilanz einer Wohnung, desto höher der Vermieter-Anteil an den CO2-Preis-Mehrkosten: Im ungünstigsten Fall wären das 90 Prozent.

Eine neue Studie des Energiedienstleisters Techem in Zusammenarbeit mit dem Techem Research Institute on Sustainability (TRIOS) hat die Auswirkungen der geplanten Neuregelung der CO2-Bepreisung für Wohngebäude untersucht und kommt zu dem Ergebnis: Je nach gewähltem Brennstoff könnten Vermieter und Betreiber von Immobilien vollständig von der CO2-Abgabe befreit sein.

Ölheizung: Vergleichsweise teuer für Vermieter

“Die Lenkungswirkung für Vermieter oder Betreiber der Immobilien, in emissionsarme Technologien zu investieren, wird mit dem Stufenmodell erreicht”, sagt Matthias Hartmann, CEO von Techem. Gleiches gelte für Mieter, die CO2-Kosten durch umsichtiges und energiesparendes Verhalten positiv beeinflussen könnten – etwa durch sorgfältiges Lüften und Heizen. Hartmann: “Der Vorschlag setzt das Prinzip um: Wer CO2 vermeidet, profitiert durch einen niedrigeren CO2-Preis.”

Insgesamt verteilt sich der Studie zufolge das durchschnittliche Kostenverhältnis zwischen Mietern und Vermietern über alle zehn Emissionsklassen (Stufen) hinweg auf 43 Prozent zu 57 Prozent, ist also relativ ausgewogen. Die Experten fanden außerdem heraus, dass 42,2 Prozent aller zu entrichtenden CO2-Kosten auf Wohngebäude entfallen, die den ersten sechs Stufen des Modells zugeordnet werden. Bei Stufe sechs käme es zur 50:50-Aufteilung zwischen Vermietern und Mietern.

“Betrachtet man einen typischen Energiemix für den deutschen Mehrfamilienhausbestand, der aus Fernwärme, Erdgas und Heizöl besteht, können 60,4 Prozent der damit versorgten Anlagen den ersten sechs Stufen, also den emissionsarmen Klassen, zugeordnet werden”, erklärt TRIOS-Leiter Dr. Arne Kähler. Für Erdgas sind es demnach 68 Prozent und für fossil erzeugte Fernwärme 78,9 Prozent.

Eine besonders gute Energiebilanz weisen Wohnimmobilien auf, die auf nachwachsende Holzpellets oder Wärmepumpen setzen, die mit erneuerbarem (grünem) und somit klimafreundlichem Strom betrieben werden. “In der Folge sind Vermieter, die ihre Immobilie bereits mit dieser Heiztechnik ausgestattet haben oder ausstatten werden, vollständig von der CO2-Abgabe befreit”, so Kähler.

Vergleichsweise teuer dürfte der CO2-Preis wiederum für Vermieter werden, die ausschließlich auf Ölheizungen setzen. Nach Berechnungen von TRIOS können nur 33,1 Prozent aller Heizölanlagen zu den ersten sechs Stufen des neuen Stufenmodells gezählt werden.

CO2-Stufenmodell: Fehlt die Transparenz?

Das vorgeschlagene Stufenmodell mit zehn CO2-Emissionsklassen könne – wie beabsichtigt – emissionsarme Technologien fördern und bei emissionsintensiven Technologien höhere Kosten für Vermieter erzeugen und damit den gewünschten Handlungsdruck generieren, meint TRIOS-Leiter Kähler.

Zu kurz würden jedoch die Pläne der Bundesregierung greifen, wenn es um die angestrebte Neuregelung bei Nichtwohneinheiten gehe, ergänzt Techem-CEO Hartmann. Wünschenswert wäre auch hier die Einführung eines Stufenmodells, welches die Bepreisung der CO2-Kosten regele – hier setzen die Koalitionäre aber zunächst auf eine pauschale 50:50-Aufteilung zwischen Vermietern und Mietern.

Wichtig wäre den Experten zufolge außerdem, dass die CO2-Bepreisungskosten sowohl für Gebäude als auch für jede einzelne Wohneinheit transparent nachgewiesen werden. Dies könne beispielsweise gemäß dem Umlageschlüssel erfolgen, der bereits für die Heizkostenabrechnung für Grund- und Verbrauchskosten zum Einsatz komme. Dieser sei nicht nur bekannt, sondern auch akzeptiert.

“Da die von TRIOS erhobenen Zahlen zudem einmal mehr verdeutlichen, dass die CO2-Bepreisung unter anderem von dem gewählten Brennstoff abhängt, sind mögliche Ausnahmeregelungen, etwa für EH55-Gebäudetypen, wenig zielführend und folglich zu überdenken”, sagt Hartmann abschließend.

Als Grundlage für die Studie wurden endenergetische Daten und die jährlichen spezifischen CO2-Kosten in Euro pro Quadratmeter Wohnfläche aus dem Jahr 2020 zugrunde gelegt.

CO2-Preis: Ölheizungen sind Auslaufmodelle

Zum 1.1.2022 stieg der im Jahr 2021 eingeführte CO2-Preis auf fossile Brennstoffe von 25 auf 30 Euro pro Tonne. Für einen durchschnittlichen gasbeheizten Haushalt mit 70 Quadratmetern Wohnfläche erwarten Experten der Beratungsgesellschaft co2online Mehrkosten beim Heizen von etwa 65 Euro in diesem Jahr. Wer mit Öl heizt, zahlt im Schnitt rund 100 Euro mehr. Bis zum Jahr 2025 steigt der CO2-Preis auf 55 Euro pro Tonne: Dann liegen die Mehrkosten laut co2online für eine gasbeheizte Wohnung bei 125 Euro im Schnitt, für eine ölbeheizte Wohnung bei 180 Euro pro Jahr.

Neun von zehn Mieterhaushalten könnten bei den Kosten fürs Heizen allein mit programmierbaren Thermostaten, durch Stoßlüften und mit Sparduschköpfen die Heizkosten in einer 70 Quadratmeter großen Wohnung um mehr als 200 Euro pro Jahr senken – Eigentümer könnten weitere Heizkosten zum Beispiel durch den Austausch der Heizungspumpe, einen hydraulischen Abgleich oder das Isolieren der Heizungsrohre im Keller vermeiden, so die Berater. Und sie sollten den Umstieg auf erneuerbare Energien prüfen.

Ein Zukunftsmodell sind Ölheizungen auf keinen Fall: Mit Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) am 1.11.2020 ist ein Einbau ab dem Jahr 2026 sowieso verboten – mit wenigen Ausnahmen. Auch Heizkessel, die älter sind als 30 Jahre, dürfen dann nicht mehr betrieben werden. In Gebäuden, in denen noch eine veraltete Ölheizung läuft, sollten sich Eigentümer rechtzeitig über Möglichkeiten zur Modernisierung informieren. Die Fördermittel dafür wurden weiter ausgebaut.

Das könnte Sie auch interessieren:

CO2-Preis: Vermieter zahlen gestaffelt nach Klimabilanz

Die Ölheizung muss raus: Was wird gefördert? Wo droht Strafe?

CO2-Ausstoß in Wohnhäusern minimieren – so kann es klappen

Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist am 1.11.2020 in Kraft getreten



Link zur Fundstelle

Warenkorb
Scroll to Top