Egal ob Mietshäuser oder selbst genutztes Eigentum – im Schnitt haben sich Wohnimmobilien im Jahresvergleich noch einmal um rund zehn Prozent verteuert, wie aus dem aktuellen vdp-Immobilienpreisindex hervorgeht. Daran sind auch die Baukosten schuld. Bei den Büros ist ein leichter Aufwind zu spüren.

Der aktuelle Immobilienpreisindex des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) erreichte im vierten Quartal 2021 beachtliche 187,4 Punkte (Basisjahr 2010 = 100 Punkte) – das ist ein neuer Höchstwert. Im dritten Quartal lag der Wert bei 184 Punkten.

Im Vergleich zum vierten Quartal 2020 verteuerten sich die Preise für Wohn- und Gewerbeimmobilien insgesamt um 8,4 Prozent. Die höchsten Preissteigerungen gab es erneut bei den Mehrfamilienhäusern und selbst genutztem Wohneigentum mit einem Plus von 10,7 Prozent (Index: 198). Die Preise für Gewerbeimmobilien (Büro und Einzelhandel) stiegen im Jahresvergleich wieder leicht um 0,3 Prozent (Index: 154,5) an.

Treiber dieser positiven Entwicklung waren laut vdp einzig die Büroimmobilienpreise, die im Schlussquartal 2021 um 2,1 Prozent anzogen, während die Einzelhandelsimmobilienpreise um 4,1 Prozent nachließen – damit wird der durch die Pandemie induzierte Trend der vergangenen Quartale fortgesetzt. Ausgewertet haben die Researcher die Daten von Immobiliendeals von mehr als 700 Kreditinstituten.

Wohnimmobilienpreise: Neuvertragsmieten halten nicht Schritt

Die Nachfrage nach Wohnimmobilien hat sich nicht abgeschwächt. Im Jahresdurchschnitt 2021 belief sich das Plus bei der Preisen für Häuser und Eigentumswohnungen nach vdp-Zahlen im Schnitt auf 10,3 Prozent – das sei der höchste gemessene Wert seit dem Startjahr der Indexmessung im Jahr 2003, heißt es in dem Bericht.

Mit 12,4 Prozent verteuerte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum selbst genutztes Wohneigentum im vierten Quartal 2021 am stärksten. Als Grund machen die Pfandbriefbanken neben der günstigen Finanzierung die stabile Beschäftigungs- und Einkommenssituation der Haushalte aus. Auch die merklich gestiegenen Baukosten beim Neubau von Wohnimmobilien seien mitverantwortlich für den Preisanstieg. In der Einzelbetrachtung stiegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser demnach um 12,5  Prozent und die für Eigentumswohnungen um 12,1 Prozent – jeweils im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Auch Mehrfamilienhäuser verteuerten sich noch einmal spürbar um 9,1 Prozent (Index: 207,4) im Vergleich zum vierten Quartal 2020. Das liegt dem vdp zufolge unter anderem daran, dass diese Assetklasse aufgrund der angespannten Wohnungsmärkte in den Metropolregionen und der stabilen Cashflows als vergleichsweise risikoarme Anlageform weiter im Fokus von in- und ausländischen Investoren steht. In Folge des Preisauftriebs und den nicht in gleichem Maße steigenden Neuvertragsmieten (plus 3,3 Prozent; Index: 150,6) haben die Renditen – gemessen am Index der Liegenschaftszinsen – im Jahresvergleich weiter um 5,3 Prozent (Index: 72,6) nachgegeben.

Top-7-Wohnungsmärkte: Mehrfamilienhäuser fehlen

Auch der Top-7-Index, der die Preisentwicklung auf den Wohnimmobilienmärkten in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart misst, hat im Jahresvergleich deutlich um 10,2 Prozent zugelegt. Der Index für selbst genutztes Wohneigentum stieg um 11,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal auf einen neuen Wert von 225 Punkten. Diese Entwicklung wurde laut vdp sowohl von Ein- und Zweifamilienhäusern als auch von Eigentumswohnungen getragen, die sich im Jahresvergleich um 11,8 Prozent und 11,6 Prozent verteuerten.

Spitzenreiter ist Köln, wo sich die Preise für Eigentumswohnungen um 12,9 Prozent und für Eigenheime sogar um 15,8 Prozent erhöhten. Die im Top-7-Vergleich geringste Dynamik ermittelten die vdp-Experten in Frankfurt mit einem Plus von 8,3 Prozent für Häuser und 10,3 Prozent für Eigentumswohnungen.

Was Mehrfamilienhäuser in den Top 7 angeht, übersteigt die Nachfrage weiterhin das Angebot. Der Kapitalwertindex erhöhte sich entsprechend im Vergleich zum Vorjahresquartal um 9,7 Prozent (Index: 262,2) . Die größte Dynamik wurde in Berlin gemessen, wo der Index um 10,9 Prozent stieg. Der Index für Neuvertragsmieten stieg nur noch um vier Prozent (173,9). Das größte Plus verzeichnete mit fünf Prozent Berlin. Bei den Liegenschaftszinsen kam es insgesamt erneut zu einem Rückgang – der Teilindex (66,3) fiel im Jahresvergleich um 5,2 Prozent.

Gewerbeimmobilien: Das Vertrauen in Büros kehrt zurück

Als Folge der staatlich verordneten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, die die Nutzungsmöglichkeiten von Büro- und Einzelhandelsflächen spürbar einschränkten, waren die Investoren grundsätzlich eher zurückhaltend. Die Preise für Gewerbeimmobilien im vdp-Index stiegen im Schlussquartal 2021 insgesamt nur leicht um 0,3 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2020.

Die Preise für Büros legten um 2,1 Prozent zu (Index: 185,2), während auf dem Markt für Einzelhandelsimmobilien die Preise im Schlussquartal 2021 um 4,1 Prozent (Index: 108,4) fielen. Die Nachfrage nach Büroflächen ist laut vdp wieder gestiegen. Folglich stieg auch der Index der Neuvertragsmieten gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,3 Prozent. “Auf der Investorenseite scheint das Vertrauen in Büroimmobilien wieder anzuziehen”, heißt es im vdp-Bericht. Nachgefragt sind moderne, nachhaltige Büroobjekte mit flexiblen Nutzungskonzepte. Vor diesem Hintergrund sank der Index der Liegenschaftszinsen für Büroimmobilien um 1,8 Prozent (Index: 72,6).

Bei den Einzelhandelsimmobilien gaben die Neuvertragsmieten im Jahresvergleich weiter um 2,5 Prozent (Index: 101,7) nach. Da laut dem vdp die Investoren eine höhere Rendite verlangen, stieg der Liegenschaftszinssatzindex um 1,7 Prozent  (Index: 93,8) im Jahresvergleich.



Zum aktuellen vdp-Immobilienpreisindex (pdf)

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