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Jährlich 400.000 neue Wohnungen hat sich die Bundesregierung vorgenommen. Dieses Ziel wurde laut Statistischem Bundesamt (Destatis) im Jahr 2021 klar verfehlt: Nur 293.393 Wohnungen wurden fertiggestellt. Dabei ging der Trend seit 2011 stetig nach oben. Wo liegt der Fehler?

Seit 2011 war die Zahl der fertiggestellten Wohnungen kontinuierlich gestiegen. Dieser Trend setzte sich 2021 nicht fort. Im vergangenen Jahr sanken die Fertigstellungen wieder unter die Marke von 300.000, wie es im jüngsten Bericht des Statistischen Bundesamts (Destatis) zum Wohnungsneubau heißt. Die Daten wurden am 23. Mai veröffentlicht.

Mit 293.393 fertiggestellten Einheiten sei das Ziel der Politik von jährlich 400.000 neuen Wohnungen klar verfehlt worden, teilen die Statistiker mit. Gegenüber dem Vorjahr (306.376 Einheiten) sank die Zahl der neuen Wohnungen um 4,2 Prozent: 2020 waren erstmals seit 2001 wieder mehr als 300.000 neue Wohnungen in Deutschland gebaut worden.

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) reagierte auf die ernüchternden Zahlen mit dem Versprechen, “dass wir jetzt das tun, was in unserem Wirkungsbereich liegt, um die Bedingung hier zu verbessern. Also Genehmigungs- und Planungsprozesse digitalisieren, die 16 Länderverordnungen sinnvoll harmonisieren und die Bedingungen für den seriellen Bau erleichtern.” Im Bündnis bezahlbarer Wohnraum werde genau das jetzt erarbeitet.

Leichter Anstieg bei Wohnungen in neuen Nichtwohngebäuden

Von den insgesamt 293.393 fertiggestellten Wohnungen waren 256.352 Einheiten in Wohngebäuden (4,6 Prozent weniger als 2020). Der Rückgang bei den neuen Einfamilienhäusern (78.209 Einheiten) war mit einem Minus von 10,4 Prozent noch größer – in Zweifamilienhäusern sank die Zahl um 1,7 Prozent auf 20.118 Wohnungen. In Mehrfamilienhäusern wurden 147.925 (minus 3,6 Prozent) gebaut. In Wohnheimen stieg die Zahl fertiggestellter Wohnungen um 32 Prozent auf 10.100.

Die Wiesbadener Behörde berücksichtigt sowohl die Fertigstellungen neuer Gebäude als auch Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden. Durch Baumaßnahmen an Bestandsgebäuden entstanden 31.724 Wohnungen, das waren 2,7 Prozent weniger als im Jahr 2020.

Bei den im Jahr 2021 fertiggestellten Nichtwohngebäuden erhöhte sich der umbaute Raum gegenüber dem Jahr 2020 um 2,8 und in neuen Nichtwohngebäuden um 6,4 Prozent auf 5.317 auf 190,2 Millionen Kubikmeter. Diese Zunahme führt das Statistische Bundesamt auf einen Anstieg (plus 3,9 Prozent) bei den nichtöffentlichen Bauherren zurück. Insgesamt stieg die Zahl der fertiggestellten Einheiten (5.317) in neuen Nichtwohngebäuden um 6,4 Prozent

Mehr genehmigt als gebaut: Höchster Bauüberhang seit 1996

Nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft müssten in Deutschland jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen fertiggestellt werden, um die große Nachfrage zu befriedigen und die Wohnungsnot in vielen deutschen Städten zu bekämpfen. Die Bundesregierung hat sich zudem zum Ziel gesetzt, für mehr bezahlbaren Wohnraum zu sorgen.

Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen stieg laut Destatis gegenüber dem Vorjahr um 3,3 Prozent auf 380.736 Einheiten und war damit weiter deutlich höher als die Zahl der Baufertigstellungen. Der Überhang von genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen lag bei 846.467 Wohnungen – das sind 67.035 Einheiten mehr als im Jahr 2020. Der seit 2008 anhaltende Anstieg des Bauüberhangs beschleunigte sich damit 2021 und erreichte dem Bericht zufolge den höchsten Stand seit 1996 mit 922.343 genehmigten, aber nicht gebauten Wohnungen.

Die starke Zunahme des Bauüberhangs deutet Destatis zufolge darauf hin, dass Unternehmen und Bauherren die Vorhaben nicht zeitnah realisieren können. Gründe sind unter anderem Lieferengpässe und Rohstoffknappheit, deutliche Preissteigerungen als Folge einer erhöhten Nachfrage nach Baustoffen und Personalmangel im Baugewerbe.

Immobilienbranche fordert Erleichterungen beim (Um-)Bauen

Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, bewertete die im Jahr 2021 gesunkene Zahl fertiggestellter Wohnungen als “Vorbote eines dramatischen Einbruchs beim Wohnungsbau in Deutschland” und machte unter anderem das “unsägliche Förderchaos rund um die KfW-Mittel” mitverantwortlich. “Die sozial orientierten Wohnungsunternehmen brauchen vor allem Planungssicherheit, um bezahlbare, klimaschonende Mehrfamilienhäuser zu errichten”, so Gedaschko.

“Die Daten bestätigen die erschwerte Lage beim Wohnungsneubau. Sie sollten auch den Letzten in verantwortlicher Stelle in Politik und Verwaltung wachrütteln und echte Erleichterungen für die Unternehmen ermöglichen, wenn die Neubauziele auch nur annähernd erreicht werden sollen”, forderte der neue Präsident des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), Dirk Salewski.

“Dieser Abgleich von Ziel und tatsächlich eingelös­tem Wohnungsbau zeigt, dass die Kluft schon bei einem niedrigeren Anspruch und in einer deutlich ent­spannteren internationalen Lage beachtlich war”, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Oliver Wittke, Hauptgeschäftsführer des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), Carolin Hegenbarth, Bundesgeschäftsführerin beim Immobilienverband Deutschland (IVD) und Martin Kaßler, Geschäftsführer des Verbandes der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV). Sie hoben hervor, dass die Verbände die Bundesregierung entschieden unterstützen wollen und präsentierten das Papier “‘Zehn Schritte für 400.000′” – eine Liste von Maßnahmen, die den Schub beim Wohnungsbau antreiben sollen“.

Neben dem Neubau müsse zudem der Bestand stärker in den Fokus, ergänzte Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverband Deutschland IVD I Die Immobilienunternehmer: “Hier sollte sich die Politik verstärkt Maßnahmen wie Umnutzung, Umbau und Reaktivierung bestehender Gebäude zuwenden.” Das Potenzial aus Aufstockungen und Redevelopment sei riesig. 4,3 Millionen neue Wohnungen könnten bis 2040 aus dem Bestand entstehen.

Bauwirtschaft: Solide Rahmenbedingungen statt Förderchaos

“Um mehr Stabilität im Wohnungsmarkt zu bekommen, brauchen wir solide und dauerhafte Rahmenbedingungen und kein Förderchaos. Und wir brauchen vor allem eine auskömmliche Förderung der von der Bundesregierung intendierten neuen energetischen Standards”, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), Felix Pakleppa. Ansonsten werde der Wohnungsbau weiter rückgängig sein.

Dass die Zahl der Baufertigstellungen wieder deutlich unter die Marke von 300.000 gefallen ist, macht auch Robert Feiger, dem Bundesvorsitzenden der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Sorgen. Der Neubau müsse an Fahrt aufnehmen, vor allem, um den enormen Bedarf im sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau zu decken. “Aktuell hat gerade einmal einer von zehn Mieterhaushalten die Chance auf eine Sozialwohnung”, so Feiger.

Er sprach sich für ein “Sonderpaket sozialer Wohnungsbau” aus: Allein die Reduzierung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent für den sozialen Wohnungsbau würde einen enormen Zuschusseffekt bringen. Dies würden den Neubau von Sozialmietwohnungen um zehn Prozent günstiger machen. Die Zuschüsse könnten an dauerhafte Sozialbindungen der geförderten Wohnungen gekoppelt werden. Bund und Länder seien gut beraten, auch beim sozialen Wohnungsbau stärker auf Umbau zu setzen: Durch die Dachaufstockung bei Altbauten und durch die Umnutzung von Büros oder Parkhäusern können Millionen neuer Wohnungen entstehen.

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dpa

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